Teklife @ Gretchen

Teklife Label Night im Gretchen.
Ghetto House aus Chicago.
Natürlich mit DJ Paypal.
Heute ohne Inkognito-Tuch.
Big fun.
Ein Mädchen ist Fan von deinem Tanz.
Du bist Fan von Paypal.

so ähnlich in Antwerpen:

Interpol.

Es gibt diese Bands, die dich zurückwerfen in vergangene Zeiten.
Dazu gehören the Strokes. Arctic Monkeys auch. Aber sicherlich auch Interpol.
Zurück in die Zeit, in der du 16 warst, vielleicht älter.
So genau weißt du es gar nicht.
Aber die Musik lässt sie dich nachfühlen, die Zeit von damals.
Als du ein Indie-Mädchen warst und in den Karrera Klub gingst.
Damals gab es den Magnet noch. Heute ist dort, wo der Magnet war, eine Bio Company.
Und du bist auch nicht mehr das Indie-Mädchen von damals. 16 sowieso nicht mehr.
Heute spielen Interpol auf dem absolut mega kommerziellen, weil von u.a. BMW gesponserten, Pure & Crafted Festival in Berlin.
Riesen Bühne vor altem Kraftwerk in Rummelsburg.
Homogenes Publikum zum homogenen Hipster-Interesse.
Du bist nur für Interpol angereist und hast dich dem Rest nicht ausgeliefert.
Vielleicht doch, als du das krasseste Feuerwerk deines Lebens miterlebt hast.
Aber sei es drum. Interpol sehen willst du und deshalb bist du hier.
Sie spielen das gesamte Album „Turn on the bright lights“. Denn dieses ist zehn Jahre mittlerweile alt.
Dem damaligen Cover entsprechend der Bühnen-Aufbau. Eine rot angestrahlte Leinwand.
Davor Paul Banks und Band.
Damals hast du „Slow Hands“ geliebt und liebst es noch immer.
Der letzte Song ist „Evil“ und du vergießt innerlich Freudentränen.
So schön ist es.



Alinae Lumr in Storkow.

Ein winziges Festival in Storkow mit einem Namen, der sich nicht aussprechen lässt.
Alinae Lumr.
Timber Timbre spielen heute hier. Klez.e. Aber vor allem auch the Notwist.
Eine dieser Bands von früher, die du seitdem nicht mehr gehört hast.
M. ist mitgekommen für eine Nacht im Zelt.
Ali vom Pizza-Imbiss fragt sich, was hier eigentlich los ist.
Storkow-Boys erzählen, dass sie hier trotz allem nur geringfügigen Rabatt bekommen.
Das findest du nicht gut.
Du triffst den Busjungen wieder vom Nachtdigital neulich.
Heute ohne Blumen.
Zusammen trinkt ihr Schnaps und hört the Notwist zu.
Später verliert ihr euch wieder aus den Augen. Dieses Mal endgültig? Wir werden sehen.
Vor dir tanzen die in die Jahre gekommenen Indie-Boys.
In die Jahre gekommen ist ja auch die Band, also ist das okay.
Die After-Party ist wie Schuldisco.
Morgen reist du schon wieder ab, obwohl noch Dear Reader und Martin Kohlstedt spielen werden.
Aber morgen spielen auch Interpol in Berlin.
Wenn auch sonst so schlecht im Entscheidungen treffen, heute setzt du mal Prioritäten.
Ein Ausflug in die Vergangenheit war der Ausflug nach Storkow.


Vince Staples im Columbia Theater

Der Dunst als Konzept.
Du denkst, du siehst nichts?
Wahrscheinlich gewollt.
Vince Staples spielt allein.
Im schwarzen Hoodie, in dem er selbst verschwindet.
Ganz Silhouette.
Im Dunst und Nebel.
Ab und zu blitzt der silberne Ventilator auf.
Die Musik im Vordergrund.
Und die Message.
„Never ran from nothing but the police.“
Norf Norf.
Keine Zugabe.
Aber ein Statement braucht vielleicht auch keine Zugabe.

Review im Tagesspiegel

ND20

Mummy, I’m in love with a festival.
Jep, janz verliebt sind wir.
In dieses Festival in einem Ort, wohin kein Bus fährt.
Irgendwo in der sächsischen Pampa.
20 Jahre Nachtdigital.
Im Bungalowdorf Olganitz, wo das Schullandheim noch spürbar ist.
Das liegt nicht nur an der Elefantenwasserrutsche.
Es ist so hübsch hier.
Am Eingang bilden weiß gekleidete Menschen eine Gasse und begrüßen dich mit Handschlag.
Hallo-Hallo steht auf Stickern, die sie dir auf Brust und die Stirn kleben.
Hallo sagen sie dir persönlich. So schön, dass du da bist.
Du bist noch allein. Aber wirst es nicht bleiben.
Schon beim Zelt aufbauen haben dir die Camp-Nachbarn geholfen.
Ein kleines Festival.
Es gibt nur vier Bühnen und ein Rave-Cave.
Giegling eröffnen das Spektakel.
So klein ist das Festival, dass man sich eh wiedertrifft.
Zum Beispiel den Jungen, der neben dir im Bus saß und Blumen aus seinem Leinenbeutel luken ließ. Er hatte dir eine angeboten. Magste ’ne Blume haben?
Oder Sven. Den du vorm Landheimsklo getroffen hast, als du auf deine Freundin gewartet hast.
Ihr trefft euch wieder vor dem Zelt, beim Ambient-Floor und im Sand, wenn die Open Air Bühne wieder aufmacht. Bei der dritten Zufallsbegegnung fallt ihr euch wie alte Bekannte in die Arme.
Er bietet dir serviceorientiert einen Wasserguss über die Haare an – ist ja so warm hier.
Oder der Franzose ohne Schuhe und mit der Krabben-Luftmatratze.
Der war witzig und wollte dich mit goldenen Luftschlangen dekorieren.
Ein anderer hat dir die Wange abgeknutscht, weil du ihm Luft zufächertest in diesem Hitzezelt mit der tollen Videoleinwandperformance.
Tobias wollte dir nur ein Kompliment machen. Wenn er nicht vergeben wäre, hat er zu dir gesagt und weil es so laut war, haste gar nicht so viel von dem Kompliment verstanden.
Bei den Wighnomy Brothers werdet ihr euch auf einen guten Morgen-Gin-Tonic wiedersehen.
Macht einander mehr Komplimente. Das fandest du ja schon immer.
Wir tanzen alle. Hier müssen alle immer in Bewegung bleiben, sonst verklumpt das Blut.
Im kleinsten Kino, das du je sahst, ist der Eintritt frei und der Austritt vielleicht eine Spende wert.
Am Mittag chillen wir aber lieber am Badesee als im Kino und tauchen ab.
Die französische Krabben-Luftmatratze bekommt Konkurrenz von Einhörnern, bebrillten Riesenquietscheentchen, Donuts und dem kleinsten Schwimmreifen aller Zeiten.
Kommst du aus Bayern? Haha, nee. Wie kommst’n du da drauf? Weil du Arschies gesagt hast. Meinte ein Bayer.
Arschies hast du gesagt, weil die Arschies dich nicht in die kleinste Disco der Welt gelassen haben.
In der kleinsten Disco der Welt läuft Trance. Aber auch die Beatles.
Disco-Beats mischten sich unter den Techno. Und auch die Hits der 90er. I can’t get no sleep.
Mehr als nur die Hits der 90er gibt es in der Musik-Lotterie.
Das war, als das Zelt aus allen Nähten platze. Kein Halten gab es mehr. Du würdest es selbst nicht glauben, wenn du nicht dabei gewesen wärst.
Zu den Wighnomy Brothers wurde es am Sonntag Morgen warm. Während die meisten tanzen, machen andere Zirkusakrobatik am Strand. Salto von der Schulter und Sprünge durch den Reifen. Alles möglich.
Bald ist dieses Jubiläum vorbei. Wie schade. Es war so wunderbar hier.
Oder wie es deine Zeltnachbarn zu formulieren wussten: Mädels, es war mir ein innerer Sektempfang. Du hast darüber gelacht.
Hier reden die Leute miteinander. Alle nett, wirklich alle. Nur den Timetable, den hat keiner verstanden. Sei’s drum.
Du wirst ganz beseelt nach Hause fahren und morgen noch mit Schmetterlingen im Bauch daran denken.




https://www.residentadvisor.net/reviews/21366

Feel.

Feel Festival mit den Freunden aus Leipzig.
Groß ist es geworden.
Beim ersten Mal vor ein paar Jahren waren es nur ein paar hundert Leute am Kiekebusch See.
Mittlerweile findet das Festival am Bergheider See statt.
Da, wo früher einmal Braunkohle abgebaut wurde.
Wir zelten in den Dünen.
Lauschen Mount Kimbie.
Tanzen zu Format: B.
Oder zum Old School Hip Hop im Prince Charles.
Echt nachgebaut – den ganzen Club.
Am Tage schwimmen wir im See.
Abends besuche ich meine Freunde M&M bei ihrem großen Auftritt in der Scheune.
Ein Mensch aus Frankfurt wird als neuer Fan rekrutiert.
Das Wetter ist auf unserer Seite.
In der Sonne bewegen wir uns nicht.

Urbankrankenhaus.

Kreuzberg.
Am Landwehrkanal sitzt es sich immer noch gut.
Auch, wenn sich hier einiges kultiviert hat.
Du änderst dich nicht.
Du Anblick.

Arcade Fire

Arcade Fire.
Rechtzeitig zum Konzert brach endlich der Himmel auf.
Sonne nach regnerischsten Tagen.
Man kann über sie sagen, was man will.
Eine großartige Live-Band sind sie für immer.
Alte Perlen finden sich wieder. Arcade Fires Hoch-Zeiten.
Big fan of Will statt Win Butler. Aber das liegt am Solo-Konzert vor ein paar Monaten.
Ich will auch die Trommel schlagen wie Will.
Rebellion. Lies.
Und ich denke an Stockholm.
Neueste Single-Auskopplungen erinnern da dann eher an Schlager.
Aber bei Neon Bible gehen alle Lichter an und ein jeder singt schunkelnd ohhhh, ohhhhh.

Arcade Fire live in Berlin: Wenn Songs mal nicht so swingen – Pullover schwingen

HAU

M. spielt heute im HAU.
Fassbender. Aber auch Faust. Und generell wird viel getanzt.
Beware of a wholy whore.
So die Filmvorlage.
Fassbender, Faust & the animists die Adaption vom belgischen Regisseur Michael Laub.
Danach ein Getränk in der Bar.
Miau.

Waldsiedlung.

Wandlitz. Bernau.
Einst goldener Käfig des Politbüros der SED.
Heute Sanatorium, na ja. Krankenhaus.
Honecker lebte hier. Und Ulbricht.
Abgeschottet.
Clubhaus und Schwimmbad inklusive.
Und Häschen zum Schießen.
Absurdistan.
Und gar nicht so fancy wie man hätte denken können.
Echt.

Aber am Liepnitzsee ist es schön.

Ende

einer Dienstreise.
Am Place Jourdan.
Wo Maison Antoine grad ohne Maison ist.
Nach zwei langen Tagen in heißer Stadt und heißen Konferenzräumen ist dieses Bier das beste, was dir passiert.
Du triffst M. und es ist wie immer. Nur, dass du gleich losrennen musst, um deinen Flieger zu erwischen.
Das ist schade.
Wie gern du noch ein bisschen hierbliebest…
Nun ja, bis zum nächsten Mal dann.

Nicht witzig.

Irgendwie fühlte ich mich heute früh um kurz nach 7 Uhr, und nachdem ich schon um 5 Uhr aufgestanden bin, hiervon ein bisschen verarscht.

Selber time to wake up!

Marzahn.

Ein (Betriebs-)Ausflug mit dem Rad durch Marzahns historische Dörfer: Mahlsdorf, Hellersdorf, Kaulsdorf, Alt-Marzahn und haste nich gesehn.
Hier gibts Wiese. Da wächst Mohn.
Hier eine Mühle.
Dort das Schloss.
Marzahn ist mehr als Großsiedlung und überrascht.

Anschließend IGA. Gartenschau they call it.
Mit einer Gondel den Berg hinauf.
Urbane Gartenkonzepte.
Orientalischer Garten meets Englischer Garten meets tropische Blumenhalle.
In einem Labyrinth wirst du nie den Ausweg finden.
Und im Rosengarten keine Luft.
Ganz hübsch, ja. Einen Zwanni für den Eintritt wert? Na ja…

Orchestre Poly-Rythmo de Cotounou im Yaam

Musik für die Seele und die Füße.
Das Orchestre Poly-Rythmos de Coutounou spielt im Yaam.

Going Stockhome.

That city that I love.
Zu Besuch in Stockholm bei J.
Nebenzweck ist das Radiohead-Konzert.
Aber auch so ist es ganz wunderbar, die altbekannten Pfade abzuschlendern.
Absurd, dass ich hier mal gewohnt habe. Und doch blitzen immer wieder schöne Erinnerungen von damals auf. Überall kleben sie noch fest.
Ich gehe in alte Lieblingsläden. Hier eine Platte. Dort eine Klamotte. Und sowieso eine Kanelbulle.
Allein ihr Geruch ist für immer mit dieser Stadt verbunden. Zimt. Und Butter.
Anfang Juni ist auch Schulschluss. Sommerferien und Abitur.
Tradition ist geblieben, sich als Schulabgänger in Lastwagenanhänger pferchen zu lassen und kollektiv zu unnützes Wissen wegzusaufen. Wer Pech hat, wird mit Bier und Sekt vollgespritzt. Oder noch schlimmeres.
Ich habe kein Pech und bleibe trocken.
Aussichten genießen kann man in Stockholm gut. Ich verweile an alten Lieblingsplätzen und schaue dieser Stadt hinterher, die einfach nur wunderhübsch ist – auch von Ferne.
Mit J. gehe ich ins Moderna Museet. Dort gibt es Kaffee für uns und wir treffen auch andere Freunde hier zufällig.
Am letzten Abend trinken wir mit einigen von ihnen zusammen Bier. Es ist immer wieder so schön, euch zu sehen. Dieser Ausflug war mal wieder zu kurz.
Aber ich komme sicher bald wieder.

No words. But Love.

Radiohead. Beseelt.
Bei jedem Song könnte ich weinen vor Glück.
J. und ich sind uns nicht einig, welcher nun bester Moment war.
Fake Plastic Trees?
Everything in its right place?
Exit Music?
Bodysnatchers?
Paranoid Android?
Alles so wunderbar.
Ist es wirklich gerade passiert?
Haben wir sie wirklich gerade gesehen?
Wer liebt, der liebt.
Fan ist Fan.
Für immer.

Karneval.

Pfingsten. Also Karneval der Kulturen.
Wie immer vor deiner Haustür.
Das Wetter lässt zu Wünschen übrig.
Aber bei Aperol, der aus dem Fenster gereicht wird, ist auch das vergessen.
Und beim Samba tanzen wird den Karnevalisten sicher auch wieder warm.
Wenn alles vorbei ist, wieder zurück zum Aperolfenster.
Niemand weiß mehr genau, warum wir auf der Straße sitzen…
oder wie wir auf diesen Transporter gekommen sind.
Afterhour ist eine Reise.
Grießmühle. No.
Schwuz. No.
Na dann nicht.

Futuristisch.

Wo kommt das denn auf einmal her?
Ein Gebäude am Ku’damm. Dort, wo früher einmal
Marie Johanna und ein Plattenladen waren.
Berlin monotonisiert sich.

Peter will say.

Homeshake im Lido.
Draußen 30, drinnen 40 Grad.
Gut, wer in der Nähe des Ventilators steht.
Easy tunes passend zum Wetter.
„Peter will say <3 songs left>“.
So die Ansage für den Tonmann, hinter dem wir stehen.
Genauso kommt es denn auch. No Zugabe.

Ich ergattere die letzte Platte.
Peter will say: „last one! wow!“ und schreibt es auf mein Exemplar.



Håkan Hellström im Heimathafen.

Für alle Nicht-Schweden ist er vermutlich kein Begriff.
In Schweden ist er ein Star. Alle lieben Håkan Hellström.
Und heute spielt er in Berlin.
Eine musikalische Übernahme im Heimathafen.
Im wahrsten Sinne.
„First we took Manhattan, now we take Berlin“.
Eventuell ist dies eine Anspielung auf Orte in der Welt,
die zum Hinziehen gerade sehr angesagt sind unter Schweden.
Das Publikum gefühlt ein rein schwedisches. Mit Ausnahme I. und mir.
Irre wie homogen! Fast zu exklusiv. Hier und dort Matrosenhüte.
Håkan selbst sieht irgendwie aus wie eine Mischung aus Waldschrat und der junge Jim Morrison.
Er singt und springt und tanzt und fetzt und alle singen mit.
Schlager haben sich die Schweden ja eigentlich schon immer getraut.
Ein bisschen ESC.
Es ist heiß heute. Drinnen noch mehr.
Das Konzert endet heute nie, glaube ich.
Klippo, ich kann nicht mehr.


Vodka & Piroggen-Tours nach Stettin

Ausflug!
Es geht nach Stettin.
Mit T.’s Gäng.
Follow the red line.
Oder auch dem rave rabbit.
Und schon siehst du alles Wesentliche.
Ansichtssache.
Tatsächlich ist Stettin nicht so groß als dass man den roten Pfad je aus den Augen verlöre.

Bestes drei-Sterne-Essen für’n Appel und n‘ Ei.
Teilzeitverliebt in den Kellner.
Kulturnacht bringt freien Eintritt in die Philharmonie.
Gold, gold, gold im großen Saal.
Posters for free.

Eine Hafenrundfahrt inklusive Sonnenbrand auf der Nase.
Wir loten Möglichkeiten einer Insel aus.
Möglichkeit eines Kleinods. Als Garten.

Im Zug zurück neiden andere uns die Fleischpeitschen.
Zu Recht.
Das, was im Beutel so klirrt, sind Marmeladengläser. Ehrlich.
Vielleicht auch die aufgefüllten Vodka-Vorräte. Pssst!

Theatertreffen: Die Borderline Prozession.

Wir müssten maßlos überfordert sein, in dieser Welt, in der alles gleichzeitig und parallel passiert. Und wahrscheinlich sind wir das sogar.

Das Schauspiel Dortmund und Kay Voges „Borderline Prozession“ sind zu Gast auf dem Berliner Theatertreffen.
Ein Loop um das, was uns trennt.

Teil 1: Es ist wie es ist
Überforderung gleich zu Anfang. In einem Setzkasten passiert alles gleichzeitig. Eine Frau liest auf der Terrasse ein Buch. Ein junger Mann trainiert in einer Garage an den Hanteln seine Oberarme, danach setzt er sich in eine Badewanne.
Ein älterer Mann kommt entkräftet von der Arbeit und schmiert sich eine Stulle. Ein Ehepaar putzt sich im Badezimmer die Zähne.
Gleichzeitig wissen wir, was draußen passiert dank riesiger Leinwände.
Um die Szene kreist im Zeitlupentempo eine Kamera und lässt uns, die wir nach innen schauen, wissen, was draußen passiert.
Was von innen scheint, sieht von außen manchmal ganz anders aus.

Gähnende Langeweile. Alles wiederholt sich scheinbar. Minimale Veränderungen nur.
Doch dann verändert sich schleichend alles.
Der junge Mann trägt einen orangefarbenen Overall, der nicht zufällig an die Häftlingskleidung von Guantanamo erinnert. Die Anspielung wird überdeutlich, als ein anderen ihm einen schwarzen Sack über den Kopf zieht. Das Bad nach dem Sport wird zum Waterboarding.

Teil 2: Krise
Dann wird das Publikum aufgefordert, die Perspektive zu wechseln.
Wer aufs Innere geschaut hat, schaut jetzt aufs Äußere. Die Langeweile des Alltags von gerade eben noch wird zur alles umfassenden Gewalt. Krieg. Das Haus bewachen Soldaten mit verzerrten Masken und schwerer Maschinerie.
Im Schaufenster, in dem eben noch die Liebe angeboten wurde, steht jetzt eine Domina und verpeitscht einen Mann. Eine Braut ersticht Ihren Bräutigam. Eine Frau wird von den Soldaten in einem Auto vergewaltigt.
Alltag ist woanders auch das hier.

Teil 3:
Der dritte Teil ist Utopie.
Vielleicht auch die Zukunft der Überforderungsgesellschaft.
20 Lolitas tanzen drinnen und draußen. Übernehmen die Herrschaft über die Szene.
Eine Justitia schreitet blind umher.
Ein Napoleon stirbt und wird von Lolitas begraben.
Major Tom im Ohr schwebt ein Astronaut durchs Bild.
Das hier hat keinen Sinn. Oder vielleicht doch.
Ein Bild der Reizüberflutung.
„Es gab nichts zu verstehen, aber viel zu erleben.“

Und dann dieser Ohrwurm, den man tagelang nicht mehr los wird.
Wir waren Teil dieser Borderline Prozession.

„In a manner of speaking
I just want to say
that I could never forget the way.
You told me everything by saying nothing.
Oh, give me the words, that tell me nothing.
Oh, give me the words, that tell me everyhing.“


Fotos: Marcel Schaar


Wörterbuch der Borderline Prozession
RBB Stilbruch

Myfest.

Alles neu macht der Mai und trotzdem ist auf gewisse Dinge Verlass.
So auch auf das Myfest in Kreuzberg 36, allen Finanzierungsdiskussionen zum Trotz.
Kleiner ist es geworden, weniger Bühnen in jedem Fall.
Aber nicht etwa leerer.
Müde vom Vorabend ein kurzer Spaziergang.
Geht so revolutionär.
Weniger demonstrativ.
Mehr beobachtend.
Die Selfie-Leiter hat sich offenbar durchgesetzt und kostet jetzt Moneten.
Zwei Euro will einer dafür haben.
Nö.
Ich nicht. Von meinem Gesichtsausdruck braucht es heute kein Selfie.
Auf dem Heimweg treffe ich C.
Immerhin fühle ich mich so auf den letzten Metern ein bisschen politisch.
Er drückt mir eine „Samenbombe“ der Grünen in die Hand.
Drop seeds, no bombs. Okay. Da gehe ich mit. Und pflanze die Samenbombe gleich im Hinterhof ein.

Double Rainbow.

Ich bin zu Besuch.
In der Stadt, die ich zu lieben gelernt habe und die auch ein bisschen zuhause ist. Immer wieder.
Heute früh angereist. Dienstlich.
Dieses erste Mal einer Dienstreise. Tatsächlich.
Ich habe mich gut geschlagen. Glaube ich.
Und habe am Ende doch nur kurz Zeit ein Pintje am Place Jourdan zu trinken, ehe es wieder zurück geht nach Berlin. Ein Pintje ganz allein.
Maison Antoine ist auch nicht mehr da.
Es wird gebaut und die Pommes werden aus einer mobilen Pommesbude serviert.
Immerhin auf eines ist Verlass: Belgian Rain.
Und dieses Mal auch ein Regenbogen am Flughafen.
Ach was, ein Regenbogen. Zwei Regenbögen.
Double Rainbow.
Bis zum nächsten Mal, BXL.

Ostan.

Es ist Ostern. Genau genommen Karfreitag.
Tradition geworden ist, Karfreitag im Garten von I.s Mama in Zeuthen zu feiern.
Es gibt vegan brunch, schwedische Spiele mit selbst gebauten Holzklötzern (Kubb),
Eier bemalen ohne Pinsel und Deckweiß und aber Lagerfeuer gibs.
Beim Holzklötzchen werfen verliere ich natürlich.
Dinge, die ich noch nie konnte.
Aber meine Eier werden hübsch. Findste nich?

Zusammen abhängen.

Besuch aus der Schweiz.
Ganz unverhofft.
F. und seine Freundin sind in der Stadt.
Nach einer langen Nacht gestern, kollektive Erholung auf drei Decken
auf dem Tempelhofer Feld.

Potsdam.

Ein Familienausflug bei zum ersten Mal über 20 Grad in diesem Jahr.
Alter Markt und Holländisches Viertel.
Keine Eile, heute schlendern wir.
Ja, wir haben Sonne abbekommen.