CocoRosie im Cirque Royal

Schön wie CocoRosie.
Erst sind sie halb Mann halb Frau,
„Coco“ mit Strapsen zur flammenden Boxerhose und dem gepunkteten Top mit Puffärmeln wie sie Schneewittchen noch am besten standen.
„Rosie“ in dem eigentlich hierzu passenden Punkte-Petticoat und T-Shirt-Fetzen, auf dem „Hostility“ geschrieben steht und einer weißen Cateye-Sonnenbrille. Rosie halb blond, halb brünett. Coco mit nicht enden wollenden Rastas und Glitzermoustache. Ihre Musik halb Oper, halb Hip Hop – in jedem Fall Märchen.
Erst in der Pause, in der CocoRosies Haus-Beatboxer Tez Töne von sich gibt, die sonst niemand mit seinem Körper fabrizieren kann, kommt das Rollenpuzzle wieder in seine vermeintliche Ordnung. Dann trägt Coco das T-Shirt zur Shorts und die Basecap zum Moustache und begibt sich in Boxerpose, während Rosie Alice im Wunderland alike nun das passende Top zum Rock trägt und sich in höchsten Tönen singend an die Harfe stellt.
Neben mir tanzt sich ein Junge mit langen blonden Haaren in Extase, er streckt die Arme in die Luft, CocoRosie entgegen.
Als CocoRosie dann auch noch den Song „End of Time“ einem Mädchen im Publikum widmen, brechen neben mir vier Frauen in Tränen aus. Es sind wohl die, denen gewidmet wurde.
Es erscheint ein Geist erst als Braut, später als Witwe und singt mit Coco und Rosie im Chor.
Kniend singen sie zu dritt fast einen Choral „We are on fire“, ehe alles in einer fulminanten Zugabe mit einem fast schon Balztanz Rosies mit einem Zuschauer im Soldatenmantel endet. Alice im Wunderland eben. Nicht dieses und nicht jenes, einfach CocoRosie.

in Prag: