ND20

Mummy, I’m in love with a festival.
Jep, janz verliebt sind wir.
In dieses Festival in einem Ort, wohin kein Bus fährt.
Irgendwo in der sächsischen Pampa.
20 Jahre Nachtdigital.
Im Bungalowdorf Olganitz, wo das Schullandheim noch spürbar ist.
Das liegt nicht nur an der Elefantenwasserrutsche.
Es ist so hübsch hier.
Am Eingang bilden weiß gekleidete Menschen eine Gasse und begrüßen dich mit Handschlag.
Hallo-Hallo steht auf Stickern, die sie dir auf Brust und die Stirn kleben.
Hallo sagen sie dir persönlich. So schön, dass du da bist.
Du bist noch allein. Aber wirst es nicht bleiben.
Schon beim Zelt aufbauen haben dir die Camp-Nachbarn geholfen.
Ein kleines Festival.
Es gibt nur vier Bühnen und ein Rave-Cave.
Giegling eröffnen das Spektakel.
So klein ist das Festival, dass man sich eh wiedertrifft.
Zum Beispiel den Jungen, der neben dir im Bus saß und Blumen aus seinem Leinenbeutel luken ließ. Er hatte dir eine angeboten. Magste ’ne Blume haben?
Oder Sven. Den du vorm Landheimsklo getroffen hast, als du auf deine Freundin gewartet hast.
Ihr trefft euch wieder vor dem Zelt, beim Ambient-Floor und im Sand, wenn die Open Air Bühne wieder aufmacht. Bei der dritten Zufallsbegegnung fallt ihr euch wie alte Bekannte in die Arme.
Er bietet dir serviceorientiert einen Wasserguss über die Haare an – ist ja so warm hier.
Oder der Franzose ohne Schuhe und mit der Krabben-Luftmatratze.
Der war witzig und wollte dich mit goldenen Luftschlangen dekorieren.
Ein anderer hat dir die Wange abgeknutscht, weil du ihm Luft zufächertest in diesem Hitzezelt mit der tollen Videoleinwandperformance.
Tobias wollte dir nur ein Kompliment machen. Wenn er nicht vergeben wäre, hat er zu dir gesagt und weil es so laut war, haste gar nicht so viel von dem Kompliment verstanden.
Bei den Wighnomy Brothers werdet ihr euch auf einen guten Morgen-Gin-Tonic wiedersehen.
Macht einander mehr Komplimente. Das fandest du ja schon immer.
Wir tanzen alle. Hier müssen alle immer in Bewegung bleiben, sonst verklumpt das Blut.
Im kleinsten Kino, das du je sahst, ist der Eintritt frei und der Austritt vielleicht eine Spende wert.
Am Mittag chillen wir aber lieber am Badesee als im Kino und tauchen ab.
Die französische Krabben-Luftmatratze bekommt Konkurrenz von Einhörnern, bebrillten Riesenquietscheentchen, Donuts und dem kleinsten Schwimmreifen aller Zeiten.
Kommst du aus Bayern? Haha, nee. Wie kommst’n du da drauf? Weil du Arschies gesagt hast. Meinte ein Bayer.
Arschies hast du gesagt, weil die Arschies dich nicht in die kleinste Disco der Welt gelassen haben.
In der kleinsten Disco der Welt läuft Trance. Aber auch die Beatles.
Disco-Beats mischten sich unter den Techno. Und auch die Hits der 90er. I can’t get no sleep.
Mehr als nur die Hits der 90er gibt es in der Musik-Lotterie.
Das war, als das Zelt aus allen Nähten platze. Kein Halten gab es mehr. Du würdest es selbst nicht glauben, wenn du nicht dabei gewesen wärst.
Zu den Wighnomy Brothers wurde es am Sonntag Morgen warm. Während die meisten tanzen, machen andere Zirkusakrobatik am Strand. Salto von der Schulter und Sprünge durch den Reifen. Alles möglich.
Bald ist dieses Jubiläum vorbei. Wie schade. Es war so wunderbar hier.
Oder wie es deine Zeltnachbarn zu formulieren wussten: Mädels, es war mir ein innerer Sektempfang. Du hast darüber gelacht.
Hier reden die Leute miteinander. Alle nett, wirklich alle. Nur den Timetable, den hat keiner verstanden. Sei’s drum.
Du wirst ganz beseelt nach Hause fahren und morgen noch mit Schmetterlingen im Bauch daran denken.




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